Einen Förderplan schreiben gehört zu den Aufgaben, die viele Lehrkräfte vor sich herschieben: Die Vorlage ist da, die Diagnostik liegt vor, aber aus den Befunden sollen nun konkrete Ziele und Aktivitäten werden. Oft endet der Plan dann mit allgemeinen Sätzen wie „Lesekompetenz verbessern“, die im Unterricht kaum weiterhelfen.
In diesem Leitfaden lernen Sie in sechs Schritten, wie Sie aus Beobachtungen einen Förderplan machen, der im Alltag wirklich genutzt wird: mit klarem Ausgangspunkt, überprüfbaren Zielen, passenden Aktivitäten und einer ehrlichen Auswertung.
Die Beispiele sind erfunden. Passen Sie alles an die Ziele und vereinbarten Hilfen des Kindes an. Dies ist eine Orientierung, keine Diagnose.
Auf einen Blick
- Ein guter Förderplan beginnt mit Stärken, nicht nur mit Defiziten.
- Wenige, überprüfbare Ziele sind besser als viele allgemeine.
- Jedes Ziel braucht konkrete Aktivitäten und eine verantwortliche Person.
- Kind und Eltern gehören an den Tisch, wenn Ziele festgelegt werden.
- Ein fester Termin zur Auswertung macht den Plan lebendig.
1. Ausgangslage beschreiben: Förderplan schreiben mit Blick auf Stärken
Jeder Förderplan beginnt mit einer Beschreibung der aktuellen Lernausgangslage. Dabei geht es nicht um eine Liste von Schwächen, sondern um ein ausgewogenes Bild: Was kann das Kind schon? Was gelingt mit Hilfe? Wo braucht es noch viel Unterstützung?
Nehmen wir Lena, 4. Klasse. Sie hat einen Förderbedarf im Bereich Lernen. In der Klasse fällt sie auf, weil sie beim Lesen schnell aufgibt. Ihre Lehrerin, Frau Brandt, schaut genauer hin und notiert: Lena liest kurze Wörter sicher, erzählt Geschichten lebendig und hilft gern anderen. Längere Wörter mit mehreren Silben überfordern sie, und bei Textaufgaben in Mathe verliert sie den Faden.
Diese Beschreibung ist wertvoll, weil sie zeigt, wo die Förderung ansetzen kann. Lenas Erzählfreude ist eine Stärke, die sich für das Lesen nutzen lässt. Außerdem wird klar, dass das Lesen auch die Mathematik beeinflusst.
| Bereich | Kann schon | Braucht Hilfe bei |
|---|---|---|
| Lesen | Kurze Wörter sicher | Mehrsilbige Wörter |
| Mathematik | Plus und Minus bis 100 | Textaufgaben |
| Sozial | Hilft anderen gern | Hilfe selbst einfordern |
Nutzen Sie für die Ausgangslage mehrere Quellen: eigene Beobachtungen, Arbeitsproben, Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen sowie die Sicht der Eltern. So entsteht ein Bild, das nicht nur von einem einzigen Testtag abhängt.
2. Förderschwerpunkte auswählen
Aus der Ausgangslage ergeben sich meist viele mögliche Ziele. Allerdings kann niemand an zehn Baustellen gleichzeitig arbeiten. Deshalb wählen Sie zwei bis drei Förderschwerpunkte für die nächsten Wochen aus.
Hilfreich ist die Frage: Welche Fähigkeit würde dem Kind im Alltag am meisten helfen? Bei Lena ist die Antwort klar: Wenn sie mehrsilbige Wörter erlesen kann, profitiert sie in allen Fächern. Deshalb wird das Lesen zum ersten Schwerpunkt. Der zweite Schwerpunkt ist, bei Schwierigkeiten selbst Hilfe zu holen, statt aufzugeben.
Gleichzeitig sollten Sie die Schwerpunkte mit den Eltern und, je nach Alter, mit dem Kind besprechen. Lena wünscht sich, „endlich die dicken Bücher aus der Leseecke“ lesen zu können. Dieser Wunsch ist ein starker Motor und kommt deshalb mit in den Plan.
Manchmal ist die Auswahl schwierig, weil mehrere Bereiche gleich dringend wirken. In diesem Fall hilft ein Blick auf Abhängigkeiten. Welche Fähigkeit ist die Voraussetzung für andere? Bei Lena hängt das Lösen von Textaufgaben stark vom Lesen ab. Wenn das Lesen sicherer wird, verbessert sich die Mathematik oft mit. Deshalb wartet der Schwerpunkt Textaufgaben bis zum nächsten Plan, und das Team spart Kraft für das Wesentliche.
- Höchstens zwei bis drei Schwerpunkte pro Zeitraum
- Alltagsrelevanz vor Vollständigkeit
- Wünsche des Kindes ernst nehmen

3. Ziele überprüfbar formulieren
Der wichtigste Schritt, wenn Sie einen Förderplan schreiben, ist die Formulierung der Ziele. Ein gutes Ziel beschreibt, was das Kind am Ende eines Zeitraums beobachtbar tun kann, unter welchen Bedingungen und wie gut.
Vergleichen Sie zwei Formulierungen. „Lena verbessert ihre Lesefähigkeit“ lässt offen, wann das Ziel erreicht ist. Dagegen ist „Lena liest bis zu den Herbstferien zweisilbige Wörter aus einer Wortliste mit Silbenbögen, 8 von 10 richtig“ klar überprüfbar. Jede beteiligte Person weiß, worauf sie achten soll.
Viele Schulen nutzen dafür die SMART-Regel: spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert. Sie müssen nicht jedes Kriterium mechanisch abhaken. Dennoch hilft die Regel, vage Sätze zu erkennen und zu schärfen.
| Vage | Überprüfbar |
|---|---|
| Lesen verbessern | Zweisilbige Wörter, 8 von 10 richtig |
| Selbstständiger werden | Holt sich mit der Hilfekarte Unterstützung, 3 Mal pro Woche |
| Textaufgaben lösen | Markiert Frage und Zahlen in 4 von 5 Aufgaben |

4. Maßnahmen und Aktivitäten planen
Ein Ziel allein verändert noch nichts. Erst die Maßnahmen zeigen, was im Unterricht und zu Hause konkret passiert. Für jedes Ziel legen Sie fest: Welche Aktivität? Wie oft? Wer ist verantwortlich? Welche Materialien werden gebraucht?
Für Lenas Leseziel plant Frau Brandt dreimal pro Woche zehn Minuten Silbentraining mit Silbenbögen und Klatschen. Zusätzlich liest Lena der Klasse jeden Freitag einen kurzen, selbst geübten Text vor, denn das verbindet ihre Erzählfreude mit dem Leseziel. Zu Hause lesen die Eltern abends fünf Minuten gemeinsam mit ihr.
Gerade bei diesem Schritt kostet die Ideensuche viel Zeit. Eine Hilfe sind die Förderplan-Strategien für die Sonderpädagogik: Die 12 Leitfäden ordnen Aktivitäten nach Themen und nennen jeweils Ziel, Beschreibung und Umsetzungstipp, sodass Sie passende Maßnahmen direkt übernehmen und anpassen können.
| Ziel | Aktivität | Wie oft | Wer |
|---|---|---|---|
| Zweisilbige Wörter | Silbentraining | 3 x pro Woche | Frau Brandt |
| Zweisilbige Wörter | Gemeinsam lesen | Täglich | Eltern |
| Hilfe holen | Hilfekarte üben | Täglich | Klassenteam |
Achten Sie außerdem darauf, dass die Maßnahmen in den normalen Unterricht passen. Eine Förderung, die nur in seltenen Einzelstunden stattfindet, verliert schnell an Wirkung. Besser sind kurze, regelmäßige Einheiten, die sich in Wochenplanarbeit, Freiarbeit oder den Morgenkreis einfügen. So wird der Förderplan Teil des Alltags und nicht zu einer zusätzlichen Last für das Team.

5. Förderplan schreiben heißt auch: gemeinsam abstimmen
Ein Förderplan wirkt nur, wenn alle Beteiligten ihn kennen und mittragen. Deshalb sollte er nicht allein am Schreibtisch entstehen. Vielmehr ist ein kurzes Förderplangespräch mit Eltern, Fachlehrkräften und, wenn möglich, dem Kind der beste Weg.
Frau Brandt lädt Lenas Eltern und die sonderpädagogische Lehrkraft zu einem Gespräch von 30 Minuten ein. Lena ist die ersten zehn Minuten dabei. Sie erzählt, was ihr beim Lesen schwerfällt und was ihr Spaß macht. Danach werden die Ziele besprochen und die Aufgaben verteilt.
Halten Sie die Ergebnisse knapp fest und geben Sie allen eine Kopie. Außerdem lohnt es sich, die Sprache des Plans zu prüfen. Fachbegriffe wie „phonologische Bewusstheit“ verstehen viele Eltern nicht. Ein Satz wie „Lena übt, Wörter in Silben zu zerlegen“ ist für alle klar.
- Termin rechtzeitig ankündigen
- Mit Stärken beginnen
- Ziele in verständlicher Sprache formulieren
- Aufgaben und Termine schriftlich festhalten
6. Fortschritte dokumentieren und den Plan anpassen
Schließlich braucht jeder Förderplan einen festen Termin zur Auswertung, meist nach sechs bis zwölf Wochen. Bis dahin sammeln Sie kurze, regelmäßige Belege: eine Wortliste pro Woche, eine Strichliste für die Hilfekarte, eine Arbeitsprobe pro Monat.
Bei Lena zeigt die wöchentliche Wortliste eine klare Entwicklung: In Woche 1 liest sie 4 von 10 zweisilbigen Wörtern richtig, in Woche 6 sind es 8 von 10. Das Ziel ist erreicht. Daher wird im nächsten Plan das Lesen dreisilbiger Wörter zum Thema.
Wird ein Ziel nicht erreicht, fragen Sie zuerst nach den Bedingungen und nicht nach dem Kind. War die Förderzeit wirklich regelmäßig? Passte die Aktivität? War das Ziel zu groß? Solche Fragen führen zu einem besseren Plan statt zu Schuldzuweisungen.

Häufige Fehler und wie Sie sie vermeiden
- Zu viele Ziele auf einmal. Besser: zwei bis drei Schwerpunkte pro Zeitraum.
- Vage Formulierungen. Besser: beobachtbares Verhalten, Bedingung und Kriterium nennen.
- Nur Defizite beschreiben. Besser: Stärken als Ausgangspunkt nutzen.
- Plan verschwindet im Ordner. Besser: Ziele sichtbar im Klassenbuch oder auf einer Karte notieren.
- Keine Auswertung. Besser: den Termin für das nächste Gespräch gleich festlegen.
Fragen von Lehrkräften und Eltern zum Thema Förderplan schreiben
Wie lang sollte ein Förderplan sein?
So kurz wie möglich, so ausführlich wie nötig. Für viele Kinder genügen zwei Seiten. Entscheidend ist, dass Ziele, Maßnahmen und Verantwortliche klar erkennbar sind.
Wer ist für den Förderplan verantwortlich?
Das regeln die Bundesländer unterschiedlich. Meist koordiniert die Klassenlehrkraft oder die sonderpädagogische Lehrkraft den Plan. Die Umsetzung ist aber Aufgabe des ganzen Teams.
Müssen Eltern dem Förderplan zustimmen?
Die genauen Vorgaben hängen vom Bundesland ab. Unabhängig davon ist es sinnvoll, Eltern früh einzubeziehen und den Plan gemeinsam zu besprechen. So steigt die Chance, dass die Förderung auch zu Hause unterstützt wird.
Wie oft wird ein Förderplan überarbeitet?
In der Regel mindestens einmal pro Halbjahr. Viele Schulen werten nach sechs bis zwölf Wochen aus. Bei großen Veränderungen kann der Plan auch früher angepasst werden.
Darf das Kind bei der Planung mitreden?
Ja, und es sollte, soweit es Alter und Entwicklung erlauben. Kinder, die ihre Ziele kennen und mitgestalten, sind oft motivierter. Schon Grundschulkinder können sagen, was ihnen schwerfällt und was sie gern können möchten.
Ein passendes Material zum Förderplan schreiben:
Förderplan-Strategien für die Sonderpädagogik: 12 Leitfäden: Strategietabellen mit 120 Aktivitäten und Strategien, jeweils mit Ziel, Beschreibung und Umsetzungstipps, als PDF und bearbeitbares PowerPoint.
Quellen und Geltungsbereich
- Kultusministerkonferenz (KMK): Empfehlungen zur sonderpädagogischen Förderung und zu Förderschwerpunkten.
- Deutscher Bildungsserver: Informationen zu Förderplanung, Inklusion und Regelungen der Länder.
- Deutsche UNESCO-Kommission: Hintergründe zu inklusiver Bildung.
- CAST: Grundsätze des Universal Design for Learning.
Dieser Leitfaden zeigt eine praktische Vorgehensweise für die Förderplanung. Rechtliche Vorgaben, Formulare und Zuständigkeiten unterscheiden sich je nach Bundesland und werden hier nicht im Einzelnen behandelt.
Das Wichtigste in Kürze
- Beschreiben Sie die Ausgangslage mit Stärken und Hilfebedarf.
- Wählen Sie zwei bis drei alltagsrelevante Schwerpunkte.
- Formulieren Sie Ziele beobachtbar, mit Bedingung und Kriterium.
- Legen Sie für jedes Ziel Aktivität, Häufigkeit und Verantwortung fest.
- Werten Sie nach festen Wochen aus und passen Sie den Plan an.







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